Pragmatismus zur Kostensenkung der Energiewende in Deutschland
Hinweis: dieser Artikel ist veraltet. Ich habe meine Position zu diesem Thema geändert. Begründung folgt weiter unten.
Patrick Sauter meint: zusätzliche Gaskraftwerke sind verzichtbar, wenn wir konsequent auf „Fuel Switch“ setzen [04:19]. Seine Kernbotschaft lautet: Nutzt die vorhandene Infrastruktur, statt auf der grünen Wiese teure Neubauten zu forcieren [05:34].
Diese Gedanken leuchten ein. Andererseits brauchen wir steuerbare Kraftwerke: Deutschland ist das geografische Herz der EU und ein Stabilitätsanker für das europäische Stromnetz. Für uns kann das den Bau neuer Gaskraftwerke rechtfertigen.
Die Frage ist: Erreichen wir Netzstabilität und Klimaschutz anders günstiger? Dazu zwei Ideen:
1. Kohle als „Winter-Lastesel“
Lassen wir unsere Kohlekraftwerke nur noch von November bis Februar laufen.
Die Vorteile:
- die Versorgungssicherheit bei Dunkelflaute bleibt gewahrt,
- wir brauchen weniger neue Gaskraftwerke und
- senken den jährlichen CO2-Ausstoß von Kohlestrom um 2/3.
2. Co-Firing mit erneuerbarer Kohle
Bauen wir Pyrolyse-Anlagen und ersetzen wachsende Anteile fossiler Kohle durch Biochar.
Die Vorteile:
- wir senken die CO2-Emissionen von Kohlestrom weiter und
- bekommen vielseitig verwendbare Pyrolyse-Kohle.
Fazit: Energiewende geht günstiger
Ein Mix aus saisonaler Nutzung und der Transformation hin zu erneuerbaren Brennstoffen könnte für eine kosteneffizienteren Umgang mit unseren Anlagegütern stehen: gut für CO2-Bilanz, Netz und Steuerzahler.
Nachtrag: Die ökonomische Logik (saisonale Nutzung = weniger Stranded Assets + weniger neue Gaskraftwerke) stimmt. Was bei dieser Betrachtung fehlt:
- Signalwirkung: Wenn wir an der Kohle festhalten, machen andere das auch.
- Politisches Momentum: Der Kohleausstieg kostete Jahre zäher Verhandlungen. Diesen Konsens zu gefährden, würde ein anderes wertvolles Gut verschwenden: politisches Kapital.